Und wie sprichst Du zu Hause?

Seit dem 20. Februar ist schon ein halbes Jahr vergangen, aber die Kinder und Eltern der Kindertagesstätte Berliner-Straße erinnern sich noch gut daran. An diesem Tag war der „Tag der Muttersprache“. In diesem Jahr habe ich dies zum Anlass genommen, um mit den Kindern und Eltern über die Sprache ins Gespräch zu kommen, die sie zu Hause sprechen, ihre Familiensprache. In den Gruppen habe ich mit den Kindern darüber geredet, welche Sprache sie mit Mama und /oder Papa sprechen und aus welchem Land ihre Familien kommen. Die Kinder konnten in ihrer Familiensprache etwas sagen und ich habe es auf Video aufgenommen. Auch einige Eltern waren bereit, etwas in ihrer Familiensprache zu sprechen und sich aufnehmen zu lassen. Später habe ich aus den Videos ein Quiz gemacht, bei dem Eltern und Kindern die Sprachen und Herkunftsländer erraten sollten. Die Kinder hatten viel Spaß dabei, ihre Freunde, sich selbst und die Eltern im „Fernsehen“ zu sehen und reden zu hören. Die Eltern haben versucht die Sprache heraus zu finden. Bei einigen Sprachen war das ganz leicht. „Das ist Russisch!“ war immer zu hören. Bei Sprachen wie z.B. Urdu, Paschto oder Hindi hingegen war das Erstaunen groß.

Für den „Tag der Muttersprache“ habe ich ein großes Plakat vorbereitet, auf dem sich die Weltkarte befindet und Felder für die verschiedenen Sprachen. In den Feldern steht die Bezeichnung der Sprache und wie man sich in dieser Sprache begrüßt. Die Kinder haben gemeinsam mit einem Elternteil ihren Namen auf einen Aufkleber geschrieben. Manche Kinder konnten dies selber, bei anderen haben die Eltern geholfen. Manche Eltern haben den Namen des Kindes in lateinischen Buchstaben und arabischen Schriftzeichen oder kyrillischen Schriftzeichen geschrieben. Dann haben wir einen Strich vom Namen zu dem Land gezogen aus dem die Familie stammt. So ist auf dem Plakat die Vielfalt an Sprachen und Herkunftsländer zu erkennen. Die Eltern, Kinder und Erzieherinnen bekommen einen Überblick darüber, wer in unserer Kindertagesstätte welche Sprache spricht und so können neue Kontakte entstehen.

Beim Ausfüllen der Aufkleber und Beschriften des Plakates sind interessante Gespräche entstanden, in denen die Eltern mir, aber auch dem Kind, etwas von ihrem Heimatland erzählten. Seit das Plakat an der Wand hängt, stehen immer wieder Eltern davor, alleine oder gemeinsam mit anderen Eltern. Die Kinder freuen sich darüber, dass sie ihren Namen erkennen und sagen fröhlich zu mir „Das haben wir mit der Mama/dem Papa zusammen aufgeklebt“.

Bild und Text: Sara Vogel

 

 

© Gesamtverband der Evangelischen Kirchengemeinden in Marburg, 2018