Vielfalt in Kindertagesstätten

Das Projekt

Die Ev. Kita Julienstift hat sich 2015 um die Teilnahme an dem zwei Jährigen Modellprojekt „Vielfalt in Kitas-Inklusive Bildung im Sozialraum“ der Deutschen Kinder und Jugendstiftung aus Trier beworben, und wurde ausgewählt eine von 23 Kitas in Hessen zu sein. Seit der UN-Konvention im Jahr 2009 über die Rechte der Menschen mit Behinderung wird Inklusion als gesellschaftliche Aufgabe gefordert. Das Bildungssystem muss die Bedürfnisse aller Lernenden berücksichtigen und flexible Bildungsangebote bereithalten. Ziele des Modellprojektes sind somit u.a. ein breit angelegtes Inklusionsverständnis zu erlangen, Netzwerkarbeit auszubauen, der Fachkräfte weiter zu qualifizieren, Öffnung in den Sozialraum und eine Kultur der Beteiligung für Eltern und Kinder zu etablieren. Für die Umsetzung dieser Ziele hat das Julienstift-Team eine Prozessbegleiterin an die Seite bekommen. Diese hat uns  bei Entscheidungen und Ideenfindung unterstützt und das Team mit Inhouse-Veranstaltungen weitergebildet.

Wir ziehen nach knapp zwei Jahren ein Resumee…

Selbstreflexion –nur so gelingt eine inklusive Haltung

Ein inklusives Arbeiten beginnt mit der Reflexion der pädagogischen Haltung, und des eigenen Menschenbildes. Erst dann können wir als pädagogische Fachkräfte offen sein für Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Durch das Projekt ist das Team des Julienstifts, unser Träger, Eltern, unser Gemeindepfarrer und diverse Kooperationspartner, wie z.B. Schulen, Therapeuten, Fachberatungen in Form von Arbeitskreisen intensiver im Austausch.  Die Gestaltung der Räume und die pädagogischen Angebote werden durch das Einnehmen der inklusiven Perspektive kritisch reflektiert, so dass alle Kinder und Familien teilnehmen, teilhaben können, sich niemand ausgeschlossen fühlt und, Übergänge gut gestaltet werden.

Ohne Eltern geht es nicht

Eine Kultur der Beteiligung heißt für uns, nicht nur, „Dinge“ mitzuentscheiden, sondern auch, dass wir eine „Willkommenskultur“ leben und sich alle in unserer Kita wohl & willkommen fühlen. Im Zuge des Projektes wurde über eine Elternspende ein „Elternsessel“ angeschafft, der Eltern dazu einladen soll, jederzeit „reinzukommen“ und nach Bedarf noch am Alltag ihrer Kinder teilzuhaben!

Warum die Montessori Pädagogik die inklusive Bildung in unserer Kita und den Projektgedanken unterstützt hat…

Neben dem christlichen Menschenbild, das unserer Arbeit zu Grunde liegt, finden sich einzelne Aspekte der Montessori-Pädagogik in unserem Alltag wieder. Diese bietet wertvolle Impulse für die Umsetzung hinsichtlich des Anspruchs Bildung von Anfang an inklusiv zu denken. Der Neurobiologe Gerald Hüther sagt:“ …dass die Montessori Pädagogik vieles schon umsetzt, dass Maria Montessori offenbar vieles verstanden hat, was wir heute aus der neurobiologischen Forschung zutage fördern“. Im Mittelpunkt ihrer Pädagogik steht die individuelle und soziale Entwicklung des Kindes. Nach Montessori leistet das Kind den Aufbau seiner Persönlichkeit durch Selbsttätigkeit. Maria Montessori vertritt eine stärkenorientierte Pädagogik und sagt „In jedem steckt eine besondere Neigung und eine besondere, vielleicht bescheidene jedoch immer nützliche Berufung“. Das heißt: Nicht jeder muss alles können, aber jeder sollte die Möglichkeit haben, alle seine Fähigkeiten zu entfalten.  Eine gut „vorbereitete Umgebung“, wie es Montessori nennt, mit entsprechenden Materialien für Kinder unterschiedlichen Alters und die beobachtende, abwartende, stärkenorientierte Haltung der pädagogischen Fachkräfte sind die Grundlagen für viele Angebote in der Kita Julienstift. Die Kinder des Julienstifts können sich z.B. morgens „einwählen“ in welchem der Funktionsbereiche, „Entdeckungskiste“, “Künstlerwerkstatt“ oder „Bewegungsraum“ sie sich aufhalten möchten, um dort Ihren Interessen nachzukommen. Sie finden dort Materialien, mit denen sie selbsttätig arbeiten, sich erproben können in ihrem Tempo. Sie entwickeln mit den Erzieherinnen individuelle Ideen, wie sie eigenständig zu ihrem Ziel kommen und stimmen demokratisch über Themen ab, die in Projekten bearbeitet werden.

Wir haben uns vor zwei Jahren als Team bewusst auf den Weg gemacht, eine inklusive Haltung zu entwickeln, jeden Tag neu, jedes Kind, jede Familie in der „Buntheit“ und dem „Anderssein“ anzunehmen, zu unterstützen und im Austausch zu sein mit allen Beteiligten im Sozialraum. Auch wenn das Projekt offiziell dieses Jahr endet, werden wir weiter im Prozess bleiben, da wir „Vielfalt“ als Chance begreifen und noch viel „inklusiver“ werden möchten!          (Text Steffi Baumgardt-Leiterin)

© Gesamtverband der Evangelischen Kirchengemeinden in Marburg, 2018