Leben und Tod, Trauer und Freude

Jeden Tag erleben wir das bei uns in der Kita Julienstift, seit unsere Steffi / Fr. Baumgardt gestorben ist. Der Schmerz sitzt tief, der Verlust ist nicht zu begreifen. Ein halbes Jahr ist es her. Eine kurze, lange Zeit. Wir haben etwas gelernt im Julienstift: Wir können den Tod nicht totschweigen. Er ist da, reißt lebensfrohe, herzliche Menschen aus unserer Mitte, wirft Fragen auf, bei Kindern und Erwachsenen. Wir haben noch etwas gelernt: Kinder trauern anders als Erwachsene. Kinder können in einem Moment tieftraurig sein, im nächsten fröhlich spielen, toben, lachen. Kinder erleben Trauer nicht so kontinuierlich wie wir Erwachsene. Wie gehen wir damit um? Es ist schwer manchmal, ganz schwer. Doch es ist unsere Aufgabe die Kinder in ihrer Trauer zu begleiten. Für die meisten Kinder ist es die erste, nahe Trauererfahrung. Unser Verhalten prägt die Kinder (immer, aber in einer solchen Situation besonders) für ihr späteres Leben, den Umgang mit schlimmen Erlebnissen und Erfahrungen. Unsere Verantwortung ist groß. Welche Antworten geben wir auf Fragen wie: „Wo ist Frau Baumgardt jetzt?“ „Gibt es da auch ein Krankenhaus, wenn das Baby rauskommen will?“ Was wir den Kindern antworten und mitgeben hat etwas mit unserem eigenen Glauben zu tun. Woran halten wir uns fest in schwierigen Zeiten? Wir können die Kinder auf einen Gott hinweisen, der hört (Psalm 69,2 Elberfelder - Rette mich Gott, denn die Wasser sind bis an die Seele gekommen) der uns versteht (Psalm 56,9 Hfa – Jede Träne hast du gezählt) und der tröstet (Jesaja 66,13 Elberfelder – Wie einen, den seine Mutter tröstet werde ich ich euch trösten).Wir müssen den Kindern die Möglichkeit geben ihre Trauer zum Ausdruck zu bringen. In der Kita steht ein Gedenktisch mit einem Foto von Steffi. Oft legen die Kinder ein kleines Geschenk, ein gemaltes Bild, eine Blume dorthin, schauen das Foto an, sind in sich gekehrt, weinen oder fangen an von Erlebnissen mit Frau Baumgardt zu erzählen. Neben dem Tisch liegen Bilderbücher zum Thema Tod und Trauer, die einzelne Kinder sich immer wieder anschauen oder vorgelesen haben möchten. Dabei stellen sie oft Fragen oder sprechen ganz intensiv über das Gehörte und die Bilder. Wir Erzieherinnen versuchen offene Augen, Ohren und Herzen für die Bedürfnisse der Kinder zu haben und hoffen dabei, allen gerecht zu werden und dabei auch unsere eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen. Kinder verstehen so viel. Wenn ich z. B. heute das Lieblingsfingerspiel von Frau Baumgardt nicht mitspielen kann, oder dabei anfange zu weinen, findet manch ein Kind tröstende Worte. Noch ein Wort zum Schluss: Für jeden von uns könnte heute der letzte Tag sein. Wir aus dem Julienstift haben es erlebt. In der Bibel, Johannes 11,25 Elberfelder - steht: Jesus spricht: ICH bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Ich wünsche jedem die Gewissheit dieses ewigen Lebens.

Text: Cornelia Garth

© Gesamtverband der Evangelischen Kirchengemeinden in Marburg, 2018