Über uns

Der evangelische Kinderhort Barfüßertor bietet 70 Ganztagsplätze für Schulkinder im Alter von 6 bis 14 Jahren und gehört zur Gemeinde der Lutherischen Pfarrkirche.

Eingebettet in viel Natur liegt er versteckt, von der Straße aus nicht zu sehen, hinter hohen, alten Bäumen inmitten der Oberstadt. Unser pädagogisches Konzept soll unter Einbeziehung christlicher Werte die Erziehung in der Familie unterstützen und fördern und die Kinder befähigen, eigenverantwortlich und selbstständig ihren Alltag zu gestalten.

Die Kinder lernen, soziale Kompetenzen unter Gleichaltrigen, aber auch Jüngeren und Älteren, zu erwerben und weiter zu entwickeln. Dazu bieten wir den Kindern eine Atmosphäre, in der sie sich wohlfühlen, verlässliche Ansprechpartner finden und ihre eigene Individualität entdecken können.

Bildung und Lernen im Hort

Durch die Bildungsangebote können die Kinder demokratische Fähigkeiten  erlernen, wie z.B. die eigene Meinung zu vertreten, die Meinung anderer zu akzeptieren, aber auch Konflikte auszutragen und Kompromisse auszuhandeln. Kinder lernen im Hort praktisch was Beteiligung bedeutet. Damit diese gelingen kann muss es dafür Regeln geben.

 

Möglichkeiten für die Beteiligung der Kinder sind:

  • weitgehende Eigenständigkeit in der Gestaltung der Freizeit
  • Begleitung durch fachkundige Erwachsene (sozialpädagogische Fachkräfte)
  • Freiwiligkeit der Teilnahme der Kinder an Aktionen und Projekten
  • Einholung von Meinungen und Ideen der Kinder zu Alltagsfragen
  • Wahl von Gruppensprechern
  • Hortkonferenzen und von Kindern durchgeführte Umfragen

Wir schaffen Voraussetzungen und Beteiligungsmöglichkeiten für die Kinder im Rahmen von besonderen Projekten und Aktionen. Aber auch im Alltag legen wir Wert auf demokratische Formen und geben Raum eigene Wege zu gehen und Chancen zu nutzen.

Mädchen und Jungen(-gruppen) finden bei uns gleichberechtigt die Möglich­keit, ihre geschlechtsspezifischen Interessen zu vertreten. Transparenz und Offenheit der von Erwachsenen in Gang gesetzten Prozesse sowie die Auswahl von Methoden und Medien sind dabei von besonderer Bedeutung.

Den Kindern werden durch Öffnung des Hortes weitere Angebote ermöglicht. Das Verlassen des Hortes  ist in Absprache mit den Eltern individuell geregelt. Im begrenzten Rahmen sind Kindergastbesuche im Hort möglich.

Vormittags

7:15 Uhr bis 8:15 Uhr: Ankommen im Hort, Vorbereitung auf die Schule, Freispielzeit

8:15 Uhr bis 11:00 Uhr: Erledigung von Hausaufgaben, Freizeitangebote, Freispiel

9:30 Uhr bis 10:00 Uhr: Frühstück (in den Ferien)

11:00 Uhr bis 12:00 Uhr: Eintreffen bzw. Rückkehr aus der Schule

 

Aufgaben der ErzieherInnen: Pädagogische Betreuung der anwesenden Kinder, Ansprechpartner für Eltern und Telefonate (bis 8:15 Uhr), Teambesprechung, Vorbereitung der pädagogischen Arbeit am Nachmittag, Kontakte zu Schulen, Eltern, Familienhelfern, Ämtern, Beratungsstellen, Hospitationen, Praktikantenanleitung, Planung von Projekten, Festen, Feiern, hauswirtschaftliche und organisatorische Arbeiten, pädagogische Arbeit, gestaffelte Mittagspausen

 

Mittags und Nachmittags

12:00 Uhr bis 14:00 Uhr: Mittagessen (bei Ankunft im Hort), je nach Schulschluss, parallel Nutzung der Freispielbereiche

15:30 Uhr bis 16:00 Uhr: Obstmahlzeit

Bis 16:45 Uhr: Hausaufgabenzeit in 3 Gruppen, Nutzung der Freizeitbereiche, individuelle Weggehzeiten

16:45 Uhr: Hortschluss montags bis donnerstags

15:15 Uhr: Hortschluss freitags

 

Aufgaben der ErzieherInnen: Pädagogischer Dienst, Betreuung des Essens, der Hausaufgaben und der Freizeitangebote, Betreuung bei Ausgabe der Obstmahlzeit.

 

Feststehende Wochen-Termine zusätzlich zum Tagesablauf

wöchentlich: 14:15 Uhr Hortkonferenz, wöchentlich verbindlich für alle Hortkinder

donnerstags: 15:45 Uhr bis 16:30 Uhr Gesprächsrunde mit gemeinsamem "Kaffeetrinken" für Kinder ab der 4. Klasse

freitags: hausaufgabenfreier Tag im Hort, Freispiel, gelegentlich je nach Situation zusätzliches Freizeitangebot

Der Hort verfügt über eine hauseigene Küche in der täglich Essen frisch zubereitet wird. Hierbei legen wir Wert auf regionale und saisonale Lebensmittel. Außerdem sind Sonderkostformen in Absprache mit der Leitung möglich.

Eines der wesentlichen Kennzeichen für Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren ist das Gefühl des „Ich bin, was ich lerne“.

In der Zeit des Heranwachsens sind bei Kindern dieser Altersstufe große Veränderungen zu beobachten.

Der Eintritt in die Grundschule ist mit vielen Erwartungen für die Kinder verbunden, da sich der Lebensalltag grundlegend verändert. Waren bisher die Eltern bzw. die Familie die wichtigsten Bezugspersonen, treten nun andere Menschen die für die Kinder wichtig sind in Erscheinung. Gemeint ist damit zum einen, dass die Kinder von nun an mit Erwachsenen, die sie sich nicht aussuchen können selber zurechtkommen müssen und zum anderen – nicht weniger wichtig – dass sie ihr Verhältnis zu den Mädchen und Jungen im Hort, in der Schule und anderen Freizeitangeboten zu regeln haben.

Schulkinder wollen ihre eigenen Wege finden, groß und erwachsen zu werden. Das heißt viel lernen, entdecken und Erfahrungen sammeln. Dazu muss es über die Familie hinausgehende Entwicklungsanreize geben. Kinder in diesem Alter wollen und müssen die Dinge selber erleben und die gesammel­ten Erfahrungen gemeinsam mit den Freunden verarbeiten. Erst dann können sie sie als persönliche Erkenntnisse in sich aufnehmen.  

Damit sich Schulkinder ihrem Alter gemäß entwickeln können, ist es für uns als pädagogische Fachkräfte sehr wichtig, die Kinder behutsam und fürsorglich zu begleiten. Im Hortalltag schaffen wir individuelle Möglichkeiten, dass die Kinder denkend und regelnd mitwirken können. Des Weiteren ist für die pädagogischen Fachkräfte immer wieder erforderlich, sich in bestimmten Situationen zurückzunehmen und somit individuelle Gelegenheiten zu schaffen, damit sich die Kinder innerhalb und außerhalb des Hortes altersgerecht entfalten können.  

In der Altersphase der Hortkinder bilden sich zwischen den Kindern partner­schaft­liche Freundschaften, die von den Eltern nicht ersetzt werden können.

Dazu bietet unser Hortalltag einen strukturierten Ablauf, in welchem sich die Kinder wohl fühlen und orientieren können. Durch die unterschiedlichen Gegebenheiten (feste Hausaufgabengruppen und die Möglichkeit selbstständig Spiel- und Freizeitangebote zu nutzen) entwi­ckeln die Kinder im Hort soziale Kompetenzen, lernen Regeln einzuhalten, Grenzen zu akzeptieren und Konsequenzen zu erfahren. Eine Verknüpfung und Abstimmung der einzelnen Bereiche ist dabei unerlässlich.  

Zum Strukturprinzip unseres Hauses gehört, auf feste Gruppen zu verzichten und dafür offene Angebote vorzuhalten. Lediglich feste Hausaufgabengruppen kennzeichnen unsere Arbeit.

Offene Angebote bieten den Kindern:

- ihre Entscheidungsfreiheit zu entwickeln
- soziale Kontakte zu fördern
- Selbstständigkeit den Tag zu strukturieren und sich zu orientieren
- mehr und vielfältigere Spielmöglichkeiten
- eine optimale Nutzung der vorhandenen Räume

Feste Hausaufgabengruppen bieten den Kindern:

- Sicherheit
- Orientierung
- feste Ansprechpartner

Offene Angebote und feste Hausaufgabengruppen sind in dieser Struktur geregelt und bieten den pädagogischen Fachkräften die Möglichkeit der Beobachtung. Die pädagogische Arbeit wird durch den direkten fachlichen Austausch der pädagogischen Fachkräfte, Reflexionen und Dokumentationen unterstützt.

Besonders wichtig ist uns die Integration aller Kinder in den Hortalltag. Einen Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit sehen wir in der Partizipation (Mitbestimmung). Wir verstehen die Mitbestimmung als Beitrag, mit den Kindern im Alltag Demokratie zu (er-)leben.  

Unser Grundanliegen in der pädagogischen Arbeit ist, die Erziehung in der Familie zu unterstützen und zu ergänzen, die Persönlichkeitsentwicklung zu fördern und die Kinder zu befähigen, eigenverantwortlich ihren Alltag zu ge­stalten. Die Kinder sollen lernen, soziale Kompetenzen unter Gleichaltrigen aber auch Jüngeren und Älteren zu erwerben und weiterzuentwickeln. Wir wollen sie befähigen, langsam in die Welt der Erwachsenen hineinzuwachsen. Die Kinder sollen ihr eigenes „Tun“ gemeinsam mit anderen erleben können. Sie lernen auszuhandeln und sich nach Regeln zu verhalten. Sie vertiefen Freund­schaften und setzen sich sprachlich und rational auseinander, auch mit dem jeweils anderen Geschlecht.  

Den Auftrag des Hortes sehen wir darin, die Erwartungen von Schule, Eltern und Kindern aufzunehmen und zu erfüllen (Beaufsichtigung, Versorgung, Hausaufgaben Betreuung). Darüber hinaus nehmen wir unsere eigenständigen  pädagogischen Aufgaben wahr.  

Durch die Angebotspädagogik im Freizeitbereich ist es möglich, kreative Fähigkeiten und Fertigkeiten bei Kindern altersspezifisch zu fördern. Sie machen Materialerfahrungen und lernen soziale Kompetenzen zu entwickeln. Auch der Einsatz von Medien bedarf der Anleitung und des Umgangs. Dabei sollen Kinder lernen, Ängste vor dem Unbekannten zu verlieren und Spaß am Erworbenen zu haben. Ein sprachlicher wechselseitiger Austausch von Infor­mationen und Kenntnissen ist dabei unerlässlich.

Die Kinder lernen in Aushandlungsprozessen zu argumentieren. Behauptungen werden hinterfragt und Begründungen erwartet. Überall im Tagesablauf gibt es Lernprozesse: bei den Mahlzeiten, während der Hausaufgaben und in der Freizeit.

 

Unsere Angebote haben zum Ziel

  • unterschiedliche kindliche Persönlichkeiten zu akzeptieren
  • Initiative und Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln und sich selbst zu bejahen
  • Bedürfnisse, Gefühle und Schwierigkeiten auszudrücken
  • Alltägliche Erfahrungen und sich daraus ergebende Fragen und Probleme aufarbeiten zu können
  • Eigene Grenzen zu erkennen und Misserfolge ertragen zu lernen
  • Konflikte mit Kindern und Erwachsenen austragen zu können
  • mit Spaß und Ausdauer zu spielen, die Umwelt zu erforschen und sich mit ihr auseinander zu setzen
  • geschlechtsspezifische Gruppen wahrzunehmen

 

Die Rechte der Kinder

Die Kinder haben das Recht,

  • jederzeit ihre Meinung sowohl positiv als auch negativ zu äußern
  • auf Einflussnahme ihrer Tagesgestaltung
  • auf eigene Bedürfnisse und deren Befriedigung (im Rahmen unserer Möglichkeiten)
  • auf Kontakt zu anderen Kindern
  • sich den Ansprechpartner auszusuchen
  • auf Gerechtigkeit und nachvollziehbare Regeln
  • eigene Interessen zu verfolgenauf Mittagsversorgung und Getränke
  • auf Wohlergehen
  • eigene Erfahrungen zu machen


Es war einmal...

Vor mehr als 40 Jahren, genauer gesagt im Jahre 1970, wurde der Kinderhort am Barfüßertor eröffnet. In einem Zeitungsartikel vom 19. Oktober 1970 steht zu lesen:

"Einweihung des Kinderhortes
Der seit etwa drei Jahrzehnten bestehende Kinderhort der Evangelischen Kirchengemeinden Marburgs ist nun aus dem Philippshaus in das von der Stadt zur Verfügung gestellte und umgebaute Haus Barfüßertor 1 umgezogen. Gestern wurde der Kinderhort im Rahmen einer kleinen Feier eröffnet..."

Viel Zeit ist seither vergangen in dem gemütlichen Haus am Barfüßertor. Das im Jahre 1904 erbaute Fachwerkhaus, das nach mündlicher Überlieferung einmal ein Mädchenpensionat beherbergte und in späteren Jahren zum Gesundheitsamt umfunktioniert wurde, dürfte viel erlebt haben. Im Jahre 2004 wurde die erste ausführliche Konzeption für die Einrichtung „Evangelischer Kinderhort Barfüßertor“ erarbeitet und schriftlich festgelegt und im Jahre 2012 überarbeitet.

In ihr finden sich neben den Rahmenbedingungen Aufschluss über und Einsicht in die pädagogische Arbeit. Auch wenn die Grundmauern unseres Hauses bereits über 100 Jahre alt sind, so ist es dennoch unser Bestreben auf neue Erwartungen  und Rahmenbedingungen zu reagieren und diese in unsere Arbeit einzubeziehen.  

In diesem Sinne schauen wir voller Zuversicht in die Zukunft unserer Einrichtung...  

Das Hort-Team

© Gesamtverband der Evangelischen Kirchengemeinden in Marburg, 2020