Ganzheitlich und sinnorientiert arbeiten

Von Beginn an ist der Mensch auf Beziehung hin angelegt. Er kommt als ein Geschöpf zur Welt, das auf Zuwendung, Resonanz und Fürsorge angewiesen ist.

ie ersten Worte eines Kindes sind meist Beziehungsworte wie Mama oder Papa. Lange bevor ein Kind „Ich“ sagt, spricht es das „Du“ – es nimmt den anderen wahr, bevor es sich selbst erkennt. In den Worten Martin Bubers: „Der Mensch wird am Du zum Ich.“

Im Kindergarten schaffen wir Räume, in denen Kinder Beziehungen gestalten und erleben können: Beziehung zu sich selbst (Ich), zum Gegenüber (Du), zur Gruppe-Gemeinschaft (Wir), zur Umwelt und Schöpfung – und schließlich zu Gott, dem „ewigen Du“.

Pädagogisches Handeln beginnt immer mit Beziehung. Unsere Haltung im Kindergarten zielt deshalb darauf, diese Beziehungsebenen aktiv zu stärken.

Jedes Leben ist ein einzigartiges Geschenk! Die Freude an diesem Geschenk und die Zusage: „Schön, dass du da bist!“ ist grundlegendes Anliegen in unserer alltäglichen Pädagogik. Dies zeigt sich im freundlichen, respektvollen und wertschätzenden Umgang, sowie in den Themen, Geschichten und Liedern.

ls Beispiel der Morgenkreis. Er bildet ein zentrales Tagesritual, in dem das grundlegende Bedürfnis des Menschen nach Zugehörigkeit sichtbar wird. Die gemeinsame Mitte ist bewusst gestaltet.

Ein Begrüßungsritual, oft in Form eines Liedes, schafft einen Raum des Ankommens. Wir nehmen wahr, wer da ist und wer fehlt, und vermitteln damit: Auch Abwesende gehören weiterhin zur Gemeinschaft.

Das gemeinsame Singen schafft eine Verbindung von Sprache, Bewegung und Emotionen. Wir singen die Daseinsfreude über das eigene Dasein und das Dasein der anderen aus und einander zu.

Wie erzähle ich die Ostergeschichte für Kinder im Alter 3-6 Jahren ganzheitlich und sinnorientiert?

Im Rahmen einer Fortbildung zur Religionspädagogischen Praxis (RPP) – vielen auch unter dem Namen „Kett-Methode“ bekannt – haben wir als Team wertvolle Anregungen erhalten, wie die Ostergeschichte ganzheitlich, sinnorientiert und kindgerecht vermittelt werden kann.

Zentrales Element dieser Methode sind Bodenbilder, die im Verlauf der Erzählung entstehen. Sie ermöglichen den Kindern, eine biblische Geschichte schrittweise zu sehen, zu fühlen, zu hören und mitzuspielen. So wächst die Erzählung im Raum – und zugleich im eigenen Inneren.

Die Mitarbeiter des Kindergartens konnten selbst erleben, wie sie einen biblischen Text, beispielhaft, die Ostergeschichte mit Legematerialien ins „Bodenbild“ bringen und mit dem eigenen Leben in Beziehung setzen können.

Die Verwandlung mit allen Sinnen erleben:

Die Musik, die Lieder, die Farben, die Tücher etc. drücken Stimmungen und Gefühle aus. So veränderte sich beispielhaft der von Trauer geprägte Garten Gethsemane sichtbar in einen Hoffnungsgarten. Jesus sagt: „Ich werde sterben, aber am dritten Tag werde ich wieder auferstehen und leben“. Als Ausdruck der Hoffnung und in dem Wissen, dass Jesus lebt, gestalteten wir den Garten z.B. mit bunten Materialien, Blumen und mit zwitschernden Vögeln.

Das Licht der Auferstehung strahlte zu jedem, deshalb konnte jeder sein eigenes „Haus“ mit Legematerialien gestalten. Eine neue Stimmung und eine individuell bunte Vielfalt entstanden im Raum.

Zum Abschluss, ein Lied, das zusammenfasst: Kinder dürfen mit allen Gefühlen, mit allem, was in ihnen lebendig ist, in die biblische Erzählung hineingehen und etwas für sich daraus mitnehmen.

 

Und in meiner Mitte schlägt mein Herz.

Es fühlt Freude, Liebe, Schmerz.

Zwischen Himmel, Erde bin ich da,

mein Herz die Mitte wunderbar.

 

Text und Fotos: Kathrin Siebrands, Leiterin Ev. Kindergarten Philippshaus

 

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