Krümelchaos oder pädagogischer Prozess?

Mittagessen in der Krippe

Mahlzeiten gehören zu den wichtigsten Alltagssituationen in der Krippe. Sie sind weit mehr als reine Nahrungsaufnahme. Hier kommen alle Kinder zusammen und erleben Gemeinschaft sowie bedeutsame soziale Erfahrungen. Dabei geraten vor allem die Selbstständigkeit und die Selbstwirksamkeit der Kinder in den Fokus. Gerade hier wird deutlich, wie Partizipation – also die Beteiligung von Kindern an Entscheidungen, die sie betreffen – auch schon im Krippenalter gelebt werden kann.

Insbesondere beim Mittagessen achten wir darauf, die Kinder aktiv zu beteiligen. Dies bedeutet nicht, dass sie alles allein entscheiden. Vielmehr geht es darum, einen altersgerechten Dialog zwischen Kindern und Erwachsenen herzustellen. Wir schaffen für die Essenssituation bewusst passende Rahmenbedingungen, die es ermöglichen, sich einzubringen und mitzugestalten.

Zum Beispiel nutzen wir kleine Tischsets, auf denen die Umrisse von Geschirr und Besteck aufgemalt sind, sodass die Kinder eine Orientierungshilfe beim Tischdecken haben. So sehen sie, wo Teller und Gabel ihren Platz finden und was eventuell noch fehlt. Dabei stellen wir fest, wie motiviert und gerne das Tischdecken übernommen wird, da es die Möglichkeit bietet, Verantwortung für die Gruppe zu übernehmen.

Uns ist es wichtig, dass die Kinder selbst entscheiden können, welchen Platz sie am Tisch einnehmen, wie viel sie essen und ob sie ein Lebensmittel probieren möchten. Die Erwachsenen begleiten diesen Prozess wertschätzend und motivierend.

Die Kinder dürfen sich selbst aus Schüsseln bedienen, die auf dem Tisch bereitstehen. Dabei erhalten sie Unterstützung, wenn diese benötigt wird. Das Gleiche gilt für das Einschenken von Getränken. Um auch die Jüngsten an das Einschenken heranzuführen, füllen wir die Getränke in kleinere, handlichere Glaskaraffen um. Diese werden selbstständig oder in Begleitung genutzt.

Kleine Missgeschicke sind hier natürlich unser täglicher Begleiter. Diese Situationen betrachten wir als Lernanlässe. Wenn ein Glas umkippt, nutzen wir die Gelegenheit, die Kinder aktiv beim Aufräumen einzubeziehen – etwa indem wir gemeinsam ein Tuch holen und das Verschüttete aufwischen. Auch beim Kleckern oder wenn etwas herunterfällt, erleben die Kinder, wie man gemeinsam und ohne Vorwurf eine Lösung findet. Uns ist es besonders wichtig, eine wertschätzende und entspannte Atmosphäre zu schaffen, in der Fehler erlaubt sind und sich die Kinder ausprobieren dürfen. Gerade in diesem Alter ist es normal, dass beim Essen auch einmal gematscht wird und Lebensmittel mit allen Sinnen entdeckt und erlebt werden.

Auch das Abräumen gestalten wir gemeinsam mit den Kindern. Sie räumen ihr Geschirr nach Möglichkeit selbstständig ab und kratzen Reste in den dafür vorgesehenen Eimer. Dabei begleiten wir sie sprachlich und bieten bei Bedarf Hilfestellung an.

So wird die Mahlzeit in der Krippe zu mehr als einer Essenssituation: Sie wird zu einem Lern- und Lebensraum, in dem Demokratie, Respekt und Selbstwirksamkeit im Alltag erfahrbar werden. Kleine Entscheidungen am Esstisch legen dabei oft den Grundstein für große Kompetenzen im späteren Leben.

 

Artikel und Fotos von: Celine Stegnitz, Annika Stark und Hanna Schneider

 

 

 

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