Sexualpädagogisches Konzept - Evangelisches Familienzentrum Hansenhaus

4 Unterscheidung von kindlicher und erwachsener Sexualität Sexualität ist ein menschliches Grundbedürfnis und durchzieht das ganze Leben. Allerdings äußert sich Sexualität je nach Alter, Reife und Entwicklungsphase in sehr unterschiedlichen Formen. Kindliche Sexualität unterscheidet sich daher wesentlich von der Sexualität unter Erwachsenen. Erwachsene Sexualität Die Sexualität von Erwachsenen ist bewusst, oft zielgerichtet, meistens beziehungsorientiert und mit sexuellen Fantasien verknüpft. Sie ist eher auf körperliche Vereinigung, genitale Sexualität und Befriedigung ausgerichtet. Die Sexualität Erwachsener orientiert sich an gesellschaftlichen Normen und moralischen Regeln. Sie ist oft schambesetzt, leistungsorientiert und tabuisiert. Kindliche Sexualität Die sexuelle Entwicklung von Kindern ist bestimmt durch den Wunsch nach Nähe, Geborgenheit und Zuwendung. Kindliche Sexualität ist eine sinnliche und ganzheitliche Erfahrung. Der Umgang des Kindes mit seinem Körper und seinen Bedürfnissen ist spielerisch, unbefangen, voller Neugier und entwickelt sich oft spontan aus der Situation heraus. Körpererkundungen werden von Kindern nicht bewusst als Sexualität wahrgenommen und erst im Laufe der Kindheit werden gesellschaftliche Normen und Schamgrenzen verinnerlicht. Kurzer Überblick über die kindliche Sexualentwicklung in den ersten sechs Lebensjahren Wenn ein kleiner Mensch geboren wird, ist er mit allen Sinnen ausgestattet, um die Welt zu entdecken. Er kann hören, sehen, fühlen, schmecken und riechen. In den ersten Monaten erkundet das Kleinkind fast seine gesamte Umwelt mit dem Mund (orale Phase). Insbesondere das Saugen und Nuckeln an der Brust und später auch an den eigenen Fingern oder an Gegenständen bereitet sinnlichen Genuss, beruhigt und entspannt. Kinder genießen zusehends ihre Nacktheit und uneingeschränkte Bewegungsfreiheit – etwa beim Baden oder während des Wickelns - und beginnen, sich mit den Händen zu erkunden. Besonders wichtig ist der Körperkontakt (Streicheln, Schmusen, im Arm gehalten werden…) mit den Bezugspersonen. Er ist die Grundlage für eine gesunde seelische Entwicklung, stärkt das Urvertrauen und gibt den Kindern das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Im 2. und 3. Lebensjahr erleben Kinder zuerst bei der Ausscheidung, später auch beim Zurückhalten ihrer Ausscheidungen, Lustgefühle in einer neuen Körperregion (anale Phase). Sie erkunden ihre Genitalien und zeigen diese unter Umständen auch gerne anderen Kindern und Erwachsenen. Sie entdecken auch die damit verbundenen Lustgefühle. Kinder in diesem Alter beginnen, sich mit anderen Kindern zu vergleichen und entwickeln eine eigene (Geschlechts)Identität.

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