9 • Körpererkundungsspiele tragen dazu bei, dass Kinder in einem geschützten Raum spielerisch ihren Körper kennen lernen und sich mit anderen Kindern vergleichen können. • Gleichzeitig fördern Körpererkundungsspiele die Entwicklung einer selbstbestimmten Sexualität: Die Kinder benennen ihre persönlichen Grenzen und lernen, diese einzufordern. Sie lernen die Grenzen der anderen zu achten und zu respektieren. • Körpererkundungsspiele finden in geschützten (Neben-) Räumen statt, in denen die Intimsphäre der Kinder gewahrt bleibt. • Häufig finden Körpererkundungsspiele auch als so genannte „Doktorspiele“ statt. Die Kinder kennen Arztbesuche aus ihrem familiären Umfeld oder aus eigener Erfahrung und spielen diese im Rollenspiel nach. • Körpererkundungsspiele werden sehr unterschiedlich gespielt: Manchmal behalten die Kinder dabei ihre Kleidung ganz oder teilweise an, manchmal ziehen sie sich auch komplett aus. • Wir stehen Körpererkundungsspielen offen gegenüber, weil Verbote dazu führen, dass Kinder ihre Bedürfnisse sonst heimlich und in weniger geschützten Räumen ausleben. Körpererkundungsspiele werden dann zu einem „Geheimnis“ über das nicht gesprochen werden darf. So werden unter Umständen auch Grenzverletzungen gar nicht bemerkt und können nicht bearbeitet werden. Verbote können auch dazu führen, dass Kinder das Gefühl bekommen: Mit mir und meinem Körper stimmt etwas nicht. Sie stehen insofern der Entwicklung eines positiven und unbefangenem Körpergefühls entgegen. • Wir machen immer wieder die Erfahrung: Wenn Kinder ihrem Bedürfnis, ihre Körper zu entdecken grenzwahrend nachkommen dürfen, verlieren sie schnell wieder das Interesse an Körpererkundungsspielen. Die kindliche Neugier ist gestillt. Regeln für Körpererkundungsspiele Um Grenzen bei Körpererkundungsspielen zu wahren, gelten in unserer Kindertageseinrichtung die folgenden Regeln: • Jedes Kind entscheidet selbst, ob und wie lange es bei Körpererkundungsspielen mitspielen möchte. • Körpererkundungsspiele sind gleichberechtigt und gegenseitig. Kein Kind darf ein anderes Kind zwingen mitzuspielen. • Die Fachkräfte achten darauf, dass es kein Machtgefälle zwischen den beteiligten Kindern gibt und die Kinder in Bezug auf ihr Alter und ihren Entwicklungsstand zusammenpassen. • Kein Kind darf etwas tun, was einem anderen Kind unangenehm ist oder weh tut. • Wenn ein Kind „Stopp“ oder „Nein“ sagt, müssen die anderen das respektieren. • In Körperöffnungen (Po, Vagina, Penis, Mund, Ohren, Nase) darf nichts hineingesteckt werden. • Bescheid sagen, wenn ein Kind sich nicht an die Regeln hält: Hilfe holen ist kein Petzen! • Erwachsene sind an Körpererkundungsspielen niemals beteiligt. • Wenn Fachkräfte aufgrund von personellen Engpässen keine ausreichende Übersicht über bestehende Rückzugsbereiche haben, werden diese geschlossen.
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