Konzeption zur „Hundgestützten Pädagogik“

1 Evangelische Kindertagesstätte l Emil-von-Behring-Str.55 l 35041 Marburg, 2023 Konzeption zur „Hundgestützten Pädagogik“ Ev. Kita Emil-von-Behring-Straße „Wo das Tier den Menschen so annimmt, wie er ist, kann auch der Mensch beginnen sich so anzunehmen, wie er ist.“ Carola Otterstedt

2 Evangelische Kindertagesstätte l Emil-von-Behring-Str.55 l 35041 Marburg, 2023 Inhalt: 1. Die Ev. Kita Emil-von-Behring-Str. stellt sich vor 2. Tiergestützte Intervention (TGI) 2.1. Definition TGI 2.2. Einsatz von Hunden in der TGP 2.3. Voraussetzungen 2.3.1. Der Hund 2.3.2. Der/die Pädagoge*in, der/die Hundeführer*in 2.3.3. Tierschutzrechtliche Vorgaben 2.3.4. Kindertagesstätte, Träger, zuständige Behörden 2.3.5. Kinder 3. Vorstellung des Pädagogikbegleithundes Floki und seiner Hundehalterin, dem Mensch-Hunde-Team 4. Hundgestützte Pädagogik in der Ev. Kita Emil-von-Behring-Str. 4.1. Thema Hund in der Einrichtung 4.2. Ziele der Einsätze des Hundes 4.2.1. Lernmotivation und Kognition 4.2.2. Kommunikation und Sprache 4.2.3. Personale Kompetenzen 4.2.4. Emotionale und soziale Kompetenzen 4.2.5. Motorik 4.2.6. Sinneswahrnehmung 4.3. Settings 4.3.1. Einzelsetting 4.3.2. Kleingruppensetting 4.4. Dokumentation/Evaluation 5. Literaturverweise/Quellen 6. Anhänge

3 Evangelische Kindertagesstätte l Emil-von-Behring-Str.55 l 35041 Marburg, 2023 1. Die Ev. Kita Emil-von-Behring-Str. stellt sich vor Unsere Kindertagesstätte ist eine von 11 Einrichtungen des Gesamtverbandes der Evangelischen Kirchengemeinden in Marburg und gehört zur Markuskirchengemeinde in der Marbach. Die Kita betreut in drei Gruppen bis zu 69 Kinder im Alter von 3 Jahren bis zum Schuleintritt und 10 Kinder ab 11 Monaten bis 3 Jahre in einer Krippengruppe. Die Kindertagesstätte ist täglich von 07:00 – 17:00 Uhr geöffnet. Für alle Kinder wird ein Mittagessen angeboten. Die Betreuung erfolgt in einem teiloffenen Konzept mit Stammgruppen und Funktionsräumen. Die Einrichtung begleitet aktuell 2 Einzelintegrationsmaßnahmen für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf. Unser pädagogisches Konzept ist durch christliche Werte geprägt. In unserem christlichen Selbstverständnis sehen wir jedes Kind als ein Geschöpf Gottes an, das mit seiner gesamten Persönlichkeit und Individualität wertgeschätzt, respektiert und ohne Bedingungen angenommen wird. Ein wesentliches Ziel unserer Konzeption ist es, Kindern und Eltern eine individuelle und kontinuierliche Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zu gewähren. Bildung und Erziehung sind untrennbar miteinander verbunden. Sie sind der Schlüssel zum Lernerfolg. Kinder brauchen für ihre Entwicklung eine liebevolle und anregende Umgebung, in der sie sich sicher und angenommen fühlen. Erst dann können sie aktive KoKonstrukteure ihrer Umwelt und Bildung werden. Es ist uns wichtig, Kindern bei ihren Lernerfahrungen ein zuverlässiger Begleiter zu sein. Wir wollen ihre Kompetenzen fördern und ihnen ermöglichen, selbständig zu sein. (vgl. Konzeption der Ev. Kita Emil-von-Behring-Str. 2016) „Hilf mir, es selbst zu tun. Zeige mir, wie es geht. Tu es nicht für mich. Ich kann und will es allein tun. Hab Geduld meine Wege zu begreifen. Sie sind vielleicht länger, vielleicht brauche ich mehr Zeit, weil ich mehrere Versuche machen will. Mute mir Fehler und Anstrengung zu, denn daraus kann ich lernen.“ Maria Montessori

4 Evangelische Kindertagesstätte l Emil-von-Behring-Str.55 l 35041 Marburg, 2023 2. Tiergestützte Intervention (TGI) 2.1. Definition TGI der IAHAIO IAHAIO = International Association of Human-Animal Interaction Organizations TGI ist „……. eine zielgerichtete und strukturierte Intervention, die bewusst Tiere in Gesundheitsfürsorge, Pädagogik und Sozialer Arbeit einbezieht und integriert, um therapeutische Verbesserungen bei Menschen zu erreichen.“ (vgl. IAHAIO Weissbuch 2014) Tiergestützte Interventionen durch Mensch-Tier Teams untergliedern sich laut IAHAIO in folgende Kategorien: ➢ Tiergestützte Therapie (TGT) ➢ Tiergestützte Pädagogik (TGP) ➢ Tiergestützte Aktivitäten (TGA) Ebenfalls von der IAHAIO wurden Richtlinien zum Wohlbefinden von Mensch und Tier in der TGI erarbeitet, die Voraussetzung für die Durchführung der Tiergestützte Intervention sind (siehe 2.3.). Die Tiergestützte Intervention ist keine unabhängige Arbeitsmethode, wie z.B. in der Kunstpädagogik oder der Musiktherapie. Es handelt sich um ein zusätzliches Angebot von Therapeuten und Pädagogen, die bei der Ausübung ihres Berufes von einem Tier unterstützt werden. Der tierische Co-Pädagoge/Therapeut wirkt dabei als Türöffner, Brückenbauer, Bindeglied und Motivator für neue Erlebnisräume, Verhaltens- und Handlungsmöglichkeiten. 2.2. Einsatz von Hunden in der TGP „Tiergestützte Pädagogik (TGP) ist eine zielgerichtete, geplante und strukturierte Intervention, die von professionellen Pädagogen oder gleich qualifizierten Personen angeleitet und/oder durchgeführt wird.“ (vgl. IAHAIO Weissbuch 2014) Beim Einsatz eines Hundes in der TGP unterteilt man in drei Kategorien: Assistenzhunde, Sozialhunde und Therapiehunde. Der Pädagogikbegleithund zählt zu der Kategorie Sozialhunde und wird aufgrund seiner hohen Lern- und Leistungsbereitschaft und seiner engen Bindung an den

5 Evangelische Kindertagesstätte l Emil-von-Behring-Str.55 l 35041 Marburg, 2023 Menschen immer häufiger als Co-Pädagoge im pädagogischen Kontext in Kindertageseinrichtung eingesetzt. Hunde sind in ihrem Verhalten sehr klar und eindeutig, ihre Körpersprache ist gut lesbar und sie verstellen sich nicht. Das Verhalten des Hundes gibt dem Menschen immer eine ehrliche und direkte Rückmeldung über sein eigenes Verhalten. Durch seine bedingungslose Akzeptanz, ungeachtet der kognitiven Fähigkeiten, körperlicher Beeinträchtigungen und des sozialen Status seines Gegenübers, kann der Hund in der TGP sehr gewinnbringend besonders im Rahmen der Integration/Inklusion eingesetzt werden. Nach Beetz (vgl. A. Beetz, 2019) unterscheidet man zwischen drei Einsatzarten eines Schulhundes, die aber auf den Einsatz von Pädagogikbegleithunden in Kindertagesstätten übertragbar sind: ➢ Präsenz-Kontakt: Der Hund ist im Raum anwesend, der Kontakt zu ihm ist möglich, wird aber nicht gezielt herbeigeführt. In der Kindertagesstätte findet dies z.B. bei Elternabenden, Gesprächen mit Eltern od. Mitarbeitern oder im Einzelsetting mit Kind statt. ➢ Aktive Beteiligung: Dabei wird der Hund aktiv in thematisches Arbeiten mit den Kindern eingebunden, indem er z.B. Aufgaben würfelt oder benötigte Materialien apportiert. In der Kita wird diese Methode in Kleingruppensettings angewendet. ➢ Direkte Arbeit mit dem Hund: Bei dieser Methode steht der direkte und intensive Kontakt mit dem Hund im Vordergrund. In der Kita nutzt man diese Methode im Einzel- oder Kleingruppensetting z.B. in der Kommandoarbeit oder einem Spaziergang mit „Hilfsleine“.

6 Evangelische Kindertagesstätte l Emil-von-Behring-Str.55 l 35041 Marburg, 2023 2.3. Voraussetzungen 2.3.1. Der Hund Nicht jeder Hund ist für den Einsatz in der TGI geeignet. „TGI soll mit Tieren durchgeführt werden, die sich bester physischer und emotionaler Gesundheit erfreuen und diese Art von Beschäftigung genießen, bzw. keine Anzeichen von Ablehnung zeigen.“ (vgl. IAHAIO Weissbuch 2014) Außerdem unerlässlich für den Einsatz des Hundes ist: ➢ Er ist menschenfreundlich und mit Kindern absolut verträglich ➢ Er ist aufgeschlossen, interessiert und arbeitsfreudig ➢ Er darf keine Aggressionsbereitschaft zeigen ➢ Er sollte kein allzu aufgedrehtes Wesen besitzen ➢ Er braucht Umweltsicherheit (nicht ängstlich, unsicher oder geräuschempfindlich) ➢ Er braucht eine gute, vertrauensvolle Bindung zur*m Halter*in/Pädagogen*in und lebt artgerecht im eigenen Haushalt ➢ Er zeigt ein gutes Grundgehorsam ➢ Er hat einen Rückzugsort im Einsatz ➢ Er ist haftpflichtversichert 2.3.2 Pädagoge*in / Hundeführer/in ➢ Hat eine Ausbildung in TGI ➢ Erkennt die nötigen Sicherheitsmaßnahmen für Mensch und Tier und setzt diese um ➢ Erkennt und beachtet die Bedürfnisse von Mensch und Tier ➢ Erkennt und reagiert auf Stresssignale und Überforderung des Hundes ➢ Stellt die veterinärmedizinische Versorgung des Hundes sicher, inkl. Gesundheitsattest und Präventivmaßnahmen gegen Befall von Würmern und Parasiten ➢ Beachtet Gesetze und Verordnungen zur TGI und Tierschutz ➢ Ist verantwortlich für die Dokumentation

7 Evangelische Kindertagesstätte l Emil-von-Behring-Str.55 l 35041 Marburg, 2023 2.3.3. Tierschutzrechtliche Vorgaben Tiere müssen artgerecht gehalten werden: Grundlegend ist das deutsche Tierschutzgesetz (TierSchG, Fassung 2006). § 1 Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. §2 „Wer ein Tier hält, betreut und/oder zu betreuen hat, 1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen angemessen ernähren, pflegen und erhaltensgerecht unterbringen, 2. darf die Möglichkeiten zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden zugefügt werden, 3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlich Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.“ Außerdem bindend sind die Richtlinien der IAHAIO (vgl. IAHAIO Weissbuch 2014) für das Wohlergehen von Mensch und Tier während der TGI 2.3.4. Kindertagesstätte, Träger und zuständige Behörden ➢ Der Träger, der Fachdienst Kinderbetreuung (Jugendamt) und das zuständige Veterinäramt sind über den Einsatz des Hundes informiert und haben ihre Zustimmung erteilt ➢ Eine Ergänzung für den Einsatz des Hundes zum Hygieneplan liegt vor ➢ Alle Mitarbeiter*innen befürworten und unterstützen gegebenenfalls den Einsatz des Hundes. Sie wurden umfangreich auf den Umgang mit dem Hund vorbereitet ➢ Die Eltern sind umfangreich informiert und haben ihr schriftliches Einverständnis gegeben ➢ Allergien und Ängste der Kinder und Mitarbeitern*innen wurden abgefragt und dokumentiert ➢ Es steht ein Raum zur Verfügung, in dem der Hund vor und nach seinem Einsatz untergebracht werden kann

8 Evangelische Kindertagesstätte l Emil-von-Behring-Str.55 l 35041 Marburg, 2023 2.3.5. Kinder ➢ Der Kontakt zum Hund ist freiwillig ➢ Die Kinder sind gut auf den Hund vorbereitet (Hundehandpuppe, Empathie-Spiele, Bücher, Spiele zum Thema Hund stehen allen Fachkräften/Gruppen zur Verfügung) ➢ Die wichtigsten „Hunderegeln“ sind bekannt, Bebilderung und Erklärungen zu den Regeln stehen jedem Gruppenraum zur Verfügung und werden von den Fachkräften regelmäßig thematisiert. Die Kinder können eigenständig mit den Regeln besprochene und mit Bildern versehene Buzzer nutzen 3. Vorstellung des Pädagogikbegleithundes Floki und seiner Hundehalterin, dem Mensch-Hunde-Team Kirstin Wandersee Ich bin staatlich anerkannte Erzieherin und seit 2008 beschäftigt in der Ev. Kindertagesstätte Emil-von-Behring-Str. in Marburg. Bis 2012 war ich als Fachkraft im Gruppendienst eingesetzt, danach als Stellvertretende Leitung. Im März 2022 habe ich die Leitung der Einrichtung übernommen. Gemeinsam mit meinem Mann, unserem Hund Floki und Kater Socke wohne ich im Ebsdorfergrund in der Nähe von Marburg. Inspiriert durch meine Tochter, die ihren Hund zum Schulhund ausgebildet hat, habe ich in 2021 mit Floki eine Pädagogikbegleithundeausbildung bei Sabine Lederle, Dogik - Pädagogik mit Hund begonnen. Floki Floki, geb. Nov. 2017, ist ein Labradorrüde. Er ist ein sehr freundlicher, ausgeglichener und emphatischer Hund. Er ist sehr lern- und arbeitsfreudig und ist glücklich, wenn er eine Aufgabe erledigen darf. Seine liebsten Hobbys sind Fährten- und Gegenstandssuche und Apportieren. (siehe Steckbrief im Anhang)

9 Evangelische Kindertagesstätte l Emil-von-Behring-Str.55 l 35041 Marburg, 2023 4. Hundgestützte Pädagogik in der Ev. Kita Emil-von-Behring-Str., die „Floki-Zeit“ 4.1. Das Thema „Hund“ in der Einrichtung Die Kleingruppen- und Einzelsettings, bei denen die Kinder der Kita direkten und aktiven Kontakt zum Hund haben, sind die „Floki-Zeit“. Die Vorschulkinder, bei denen Floki seine ersten Einsätze in der Kita hatte, haben diesen Namen ausgesucht und alle anderen Kinder und auch die Mitarbeiter*innen haben ihn gerne übernommen. Diese „Floki-Zeit“ kann aber nur dann erfolgreich, nachhaltig und ganzheitlich fördernd sein, wenn das Thema „Hund“ eine Bedeutung im Alltag der Kinder erfährt und nicht isoliert stattfindet. Besonders wichtig dafür ist es, eine große Transparenz für die Eltern zu schaffen, deren Einverständnis zur „Hundgestützten Pädagogik“ eine der Grundvoraussetzungen für den Einsatz von Floki in der Kita ist. Dazu wird das Thema „Hundgestützte Pädagogik“ auf dem jährlich stattfindenden Elternabend für „Neue Eltern“, bei dem auch Floki präsent ist, mit einer Power-Point- und Videopräsentation vorgestellt. Vor der Einführung von Floki fand dies einmalig auf einem Gesamtelternabend statt. Die Dokumente zum Betreuungsvertrag wurden um eine Einverständniserklärung zur „Hundgestützten Pädagogik“ in der Kita ergänzt (siehe Anhang). In dieser Erklärung können Eltern angeben, ob ihr Kind im Alltag Kontakt zu Floki haben darf, ob Allergien und Ängste vorliegen und andere Anmerkungen hinterlegen. Unterstützend im Alltag werden alle Eltern über Fotodokumentationen über Flokis Einsätze informiert.

10 Evangelische Kindertagesstätte l Emil-von-Behring-Str.55 l 35041 Marburg, 2023 Die Eltern, deren Kinder im Kleingruppen- oder Einzelsetting, der „Floki-Zeit“, teilnehmen möchten, erhalten eine ergänzende Einverständniserklärung für dieses pädagogische Angebot (siehe Anhang) und bekommen persönliche Rückmeldungen von Frau Wandersee über die Entwicklung und das Verhalten ihres Kindes während der TGI. Damit das Thema „Hund“ im Alltag der Kinder eine Bedeutung bekommen kann, ist die Unterstützung durch das Kita-Team unerlässlich. In einer Teamsitzung wurde, ähnlich wie für die Eltern das Thema TGI, insbesondere der Pädagogikbegleithund, vorgestellt. Alle Mitarbeiter*innen befürworten den Einsatz von Floki und unterstützen dies im Alltag der Kinder auf verschiedene Weise. In regelmäßigen Abständen findet ein Austausch und eine Reflexion zu diesem Thema in den Teamsitzungen statt und die Gruppenerzieher*innen bekommen regelmäßig Rückmeldungen zu den Kindern, die an der „Floki-Zeit“ teilnehmen. Alle Mitarbeiter*innen haben natürlich auch die Möglichkeit, während der „Floki-Zeit“ zu hospitieren. Um das Thema „Hund“ im Alltag der Kinder zu implementieren, nutzen die Mitarbeiter*innen speziell dafür zur Verfügung gestellte Materialien wie Spiele und Bilderbücher zum Thema „Hund“, sowie eine große Labrador-Handpuppe.

11 Evangelische Kindertagesstätte l Emil-von-Behring-Str.55 l 35041 Marburg, 2023 In allen Gruppenräumen hängen Bilder mit den wichtigsten Hunderegeln, die regelmäßig in den Stuhlkreisen thematisiert werden. Ein Ordner mit Erklärungen zu den Regeln und ergänzenden Empathiespielen steht jeder Stammgruppe zur Verfügung. Für alle Kinder besteht die Möglichkeit, den „Hundeführerschein“ zu machen, bei dem die wichtigsten Regeln abgefragt werden (siehe Anhang). Zur besseren Verinnerlichung dieser Regeln können sich die Kinder bebilderte und von Frau Wandersee besprochene Buzzer zum Üben ausleihen und ein „Hunderegeln-Hosentaschen-Büchlein“ anfertigen. Damit für alle immer sichtbar ist, ob Floki in der Kita ist , steht ein Foto von ihm bei den Teamfotos. Mittels eines Anhängers kann dort mit grün oder rot die An- und Abwesenheit gekennzeichnet werden. In welchem Raum sich Floki gerade befindet, erkennt man an entsprechenden Türschildern (siehe Anhang). Es kommt vor, dass Kinder und Mitarbeiter*innen außerhalb der „Floki-Zeit“ zu ihm in Kontakt treten möchten und dazu ins Büro der Kita, Flokis Ruheraum, kommen. Man kann leicht erkennen, ob ein Kontakt zu ihm möglich ist: Wenn Floki sein rotes Halstuch trägt, ist ein Besuch (bei Kindern in Begleitung von Frau Wandersee) möglich. Ist dies nicht der Fall, hat Floki Pause.

12 Evangelische Kindertagesstätte l Emil-von-Behring-Str.55 l 35041 Marburg, 2023 4.2. Ziele der Einsätze des Hundes Verschiedene Studien im Rahmen der Tiergestützten Pädagogik haben bewiesen, dass ein Hund ein idealer Co-Pädagoge in der Kita sein kann. In der aktiven und passiven Arbeit mit dem Hund werden alle im Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan genannten Entwicklungsbereiche gefördert. Resilienz, also die Fähigkeit des Kindes, seine personalen und sozialen Kompetenzen erfolgreich zu nutzen, wird durch die neuen Herausforderungen im Umgang mit dem Hund gestärkt (vgl. BEP, 2019). Durch den Einsatz des Hundes werden Entwicklungsfortschritte nicht nur begünstigt, sondern auch beschleunigt. 4.2.1. Förderung der Lernmotivation und Kognition Die Anwesenheit von Hunden schafft ein positives Raumklima ➢ Senkung von Stress und Anspannung ➢ Schaffung eines Vertrauensgefühls → der Hund löst positive Gefühle aus, die auf den dazugehörenden Menschen/Pädagogen übertragen werden ➢ Die Anwesenheit des Hundes spricht die Gefühle der Kinder an, wodurch schnelleres und nachhaltigeres Lernen ermöglicht wird ➢ Die Aussicht auf eine Interaktion mit dem Hund erhöht die Lernmotivation, die Konzentration und Merkfähigkeit ➢ Die Aufmerksamkeitsspanne erhöht sich → der Hund im Raum hat automatisch immer die Aufmerksamkeit des Kindes ➢ Numerische Grundlagen bilden sich durch spielerischen Umgang mit Zahlen und Mengen, Farben und Formen, z.B. eine bestimmte Anzahl Leckerli verstecken oder eine Fährte damit legen, sie Gefäßen oder Bildern zuordnen; Simultanerfassung wird z.B. durch Würfelspiele mit dem Hund gefördert ➢ Durch die Anwesenheit des Hundes fühlen die Kinder den Focus nicht auf sich 4.2.2. Förderung der Kommunikation und Sprache Der Hund ➢ Bietet Gesprächsanlässe → Kinder berichten von bisherigen Erfahrungen, erzählen anderen von Erlebnissen in der Floki-Zeit oder spielen es

13 Evangelische Kindertagesstätte l Emil-von-Behring-Str.55 l 35041 Marburg, 2023 in Rollenspielen nach; Wortschatzerweiterung durch Beschäftigung mit neuen Sachthemen ➢ Sorgt für Integration und sozialen Kontakt ➢ Bietet einen urteilsfreien Gesprächspartner ➢ Fordert klare verbale und nonverbale Sprache (Gebärden und Körperhaltung), um Kommandos zu verstehen ➢ Zeigt dem Kind durch Befolgen von Kommandos, dass es durch Kommunikation etwas bewirken kann 4.2.3. Förderung der personalen Kompetenzen ➢ Ein positives Selbstkonzept → der Hund reagiert unmittelbar und unverfälscht, belohnt Fürsorge und Achtsamkeit mit Freude und Zuwendung; die Kommandoarbeit erfordert eine entschlossene und selbstbewusste Körperhaltung ➢ Selbstwirksamkeit → der Hund befolgt gegebene Kommandos, wodurch Kinder in ihrem Handeln gestärkt werden; durch Übernahme von Verantwortung wie z.B. Wassernapf und Decke bereitstellen oder Türschilder anbringen, erleben sich die Kinder als selbstwirksam und kompetent ➢ Selbstvertrauen → Ängste und eigene Grenzen überwinden; sich eigener Fertigkeiten bewusstwerden durch Annehmen von Herausforderungen und Lösen neuer Aufgaben ➢ Resilienzförderung → Durch neue Herausforderungen lernt das Kind seine personalen und sozialen Kompetenzen u. Ressourcen erfolgreich zu nutzen, um Risiko- u. Stressbedingungen bewältigen zu können 4.2.4. Förderung der emotionalen und sozialen Kompetenzen ➢ Frustrationstoleranz → der Hund macht evtl. nicht gleich, was man möchte ➢ Impulskontrolle → Abwarten können; Emotionen und Handlungen regulieren ➢ Spannung aushalten ➢ Wahrnehmung und Benennung eigener Gefühle → „Was möchte/mag ich und was möchte/mag ich nicht“

14 Evangelische Kindertagesstätte l Emil-von-Behring-Str.55 l 35041 Marburg, 2023 ➢ Perspektivwechsel → Bei der Interaktion mit dem Hund muss das Kind sich in diesen hineinversetzen, um dessen Gefühle zu verstehen und ggf. das eigene Verhalten anzupassen ➢ Regelverständnis → Regeln werden gemeinsam erarbeitet und müssen eingehalten werden ➢ „Friedliches“ Durchsetzungsvermögen ➢ Kooperation durch Teamarbeit ➢ Kontaktaufnahme → der Hund ist ein „sozialer Katalysator“ , Kontakte werden durch und über den Hund aufgebaut ➢ Akzeptanz und Verständnis von Nähe und Distanz ➢ Empathie → Gefühle des Hundes und anderer Gruppenmitglieder erkennen und Grenzen respektieren ➢ Rücksichtnahme und Wertschätzung → der Hund kommuniziert hauptsächlich nonverbal über seine Körpersprache, bei rücksichtslosem Verhalten wendet er sich ab, bei angemessenem wertschätzendem Verhalten belohnt er mit Aufmerksamkeit, Zuwendung und Freude 4.2.5. Förderung der Motorik ➢ Nachahmung der Hundebewegungen und der Körpersprache in Mitmachgeschichten oder im Rollenspiel ➢ Parcours mit und ohne Hund, drinnen und draußen ➢ Kräftemessen → Etwas mit dem Hund um die Wette suchen oder bringen/apportieren, „gegen den Hund antreten“ ➢ Ausflüge mit Hund in den Wald → Gegenstandssuche, Fährten legen, Apportierspiele in einem großen Radius ➢ Spaziergänge (mit zweiter Leine) ➢ Feinmotorik → Umgang mit Intelligenzspielzeugen des Hundes, Futterdummies öffnen/verschließen, Aufnahme von Leckerlies unterschiedlicher Größe mit der Hand oder Hilfsmitteln, Transport von Leckerlies auf/mit Hilfsmitteln 4.2.6. Förderung der Sinneswahrnehmung ➢ Taktile Reize → Körper des Hundes erfühlen, Benutzen von Leckerlies unterschiedlicher Größe und Konsistenz, Hundekekse backen

15 Evangelische Kindertagesstätte l Emil-von-Behring-Str.55 l 35041 Marburg, 2023 ➢ Vestibuläre Wahrnehmung → Parcours, Tricks mit dem Hund durchführen ➢ Auditive Wahrnehmung → mit geschlossenen Augen Hundegeräusche erkennen oder wie und wo der Hund sich gerade im Raum bewegt, eigene Lautstärke wahrnehmen ➢ Visuelle Wahrnehmung → genaues Beobachten, Suchen und Wiederkennen ➢ Propriozeptives System/Tiefenwahrnehmung →Kraftdosierung und Körperspannung z.B. durch Parcourarbeit oder Führen des Hundes an der zweiten Leine 4.3. Settings Floki besucht an zwei Tagen der Woche, dienstags und donnerstags in der Zeit von 07:00 Uhr bis 15:00 Uhr, bzw. 14:00 Uhr die Kita. Im aktiven Einsatz ist er an beiden Tagen max. 1,5 Stunden. Die restliche Zeit verbringt er im Büro der Leitung/Hundehalterin und während ihrer Mittagspause kann er sich auf dem von Kindern nicht besuchten hinteren Außengelände der Kita bewegen. Zusätzlich ist er manchmal bei Elternabenden und Elterngesprächen präsent. 4.3.1. Einzelsetting Am Einzelsetting nehmen in erster Linie Kinder teil, bei denen ein konkreter Förderbedarf in einem oder mehreren Entwicklungsbereiche besteht. Die Empfehlungen dazu, welche Kinder durch diese Einzelsituation gezielt gefördert werden könnten, kommen von den Fachkräften der Stammgruppen. Diese Einzelsettings werden sehr individuell gestaltet, eng den Bedürfnissen und Fähigkeiten der Kinder angepasst. Sie dauern in der Regel 45 Minuten und die Teilnahme des Kindes ist absolut freiwillig. Der Hund nimmt in diesen Settings eine aktive oder passive Rolle ein. Inhalte dieser Einheiten sind beispielsweise Kommandoarbeit, Nutzung von Intelligenzspielen oder anderen Beschäftigungsmaterialien für Hunde, Gesellschaftsspiele mit oder ohne Einbeziehung des Hundes und Bilderbuchbetrachtungen/Vorlesen. Diese Einheiten finden größtenteils im Büro der Kita statt. Es besteht aber auch die Möglichkeit, das hintere Außengelände für Such- und Fährtenspiele zu nutzen oder einen Spaziergang (evtl. mit zweiter Hilfsleine) zu machen. Diese Settings finden über einen Zeitraum von mehreren Wochen jeden Dienstag statt. Die Fachkräfte der entsprechenden Stammgruppe und

16 Evangelische Kindertagesstätte l Emil-von-Behring-Str.55 l 35041 Marburg, 2023 Frau Wandersee reflektieren während dieser Zeit regelmäßig die Entwicklung des Kindes. 4.3.2. Gruppensetting Beim Gruppensetting (max. 6 Kinder im Alter von 3-6 Jahren) handelt es sich um ein Gruppenübergreifendes Angebot (siehe Bildungsangebote, Konzeption der Kita), bei dem sich immer zwei Kinder aus jeder Kita-Stammgruppe für 6 „Floki-Zeiten“ zu einem bestimmten Thema einwählen. Diese „Floki-Zeit“ findet donnerstags im Turnraum der Einrichtung statt und dauert ca. 1 Stunde. Unterstützend nimmt eine zusätzliche Fachkraft oder Auszubildende*r an dem Angebot teil. Inhalte dieser Einheiten können Themen „rund um den Hund“ sein wie z.B.: ➢ Körpersprache des Hundes/des Menschen ➢ Vom Wolf zum Hund ➢ Ernährung des Hundes ➢ Hundeberufe ➢ Sinne von Mensch und Hund ➢ Spiele und Kommandoarbeit ➢ Usw. Es können aber auch Themen wie z.B. Formen, Farben und Mengen erarbeitet werden, bei denen der Hund unterstützend (würfeln, apportieren, usw.) aktiv eingebunden wird. Der Ablauf der Stunde ist immer gleich, also ritualisiert, weil dies den Kindern in dieser besonderen Situation mit Anwesenheit des Hundes aber auch dem Hund selbst viel Sicherheit gibt: ➢ In der Mitte des Raumes liegt ein großer Teppich, um den herum ein kleiner Stuhlkreis aufgebaut ist, für Floki liegt dort eine Decke. Hinter dem Stuhlkreis steht ein Tisch. ➢ Außerhalb des Stuhlkreises hat Floki eine weitere Decke als Rückzugsort, die Kinder wissen, dass er dort nicht gestört werden darf. ➢ Floki wird angeleint in den Raum geführt, wenn die Kinder bereits im Stuhlkreis sitzen. Sein Spielzeug, einen Ball, den er später in seiner „Freispielphase“ nutzen darf, trägt er zu seiner Decke im Stuhlkreis, legt sich dort ab und wird abgeleint.

17 Evangelische Kindertagesstätte l Emil-von-Behring-Str.55 l 35041 Marburg, 2023 ➢ Wir begrüßen uns und singen ein kurzes Bewegungslied: „Mein Labrador Floki und ich wir zwei, wir kommen heute in der Kita vorbei und wenn wir dort so unsr`re Runden dreh`n, dann kann man „Labbi-Beine“ wackeln seh`n ➢ Im Stuhlkreis wird z.B. mit Hilfe von Bildkarten, Geschichten, Spielen oder anderen Materialien und aktiver Einbindung des Hundes zum Thema gearbeitet. Anschließend dürfen die Kinder sich aussuchen, welches Such- oder Intelligenzspiel Floki mit ihnen machen darf. Dabei kann der ganze Raum genutzt werden. Der Hund wird in dieser Phase engmaschig von Frau Wandersee geführt und die Kinder wissen, dass sie ihn nicht rufen dürfen. WICHTIG: Dabei muss keiner, aber es dürfen alle mitmachen! ➢ Im Anschluss stellen die Kinder leise ihre Stühle an den Tisch und nehmen dort Platz. Es folgt eine Aktivität zum Thema in Form von Malen, Arbeitsblättern, Bastelarbeiten oder Gesellschaftsspielen. Floki hat währenddessen „Freispielzeit“ und kann sich frei im Raum bewegen. Wenn er dabei zu den Kindern kommt, dürfen sie ihn ansprechen und streicheln. Wenn die Kinder nicht möchten, dass Floki ihnen nahekommt, signalisieren sie es ihm, indem sie ihre Hände unter die Achseln stecken. Er dreht dann ab und sucht sich eine andere Beschäftigung. ➢ Nach der Aktivität am Tisch bekommt jedes Kind einen Pfotensticker. Wir verabschieden uns und die Kinder können, wenn sie möchten, Floki das Kommando „Gib Pfote“ geben. Die Kinder gehen Hände waschen und anschließend in ihre Stammgruppen. 4. Dokumentation und Evaluation ➢ Alle Präventivmaßnahmen/Parasitenbehandlung, Impfausweis, tierärztliches Gutachten und der Versicherungsnachweis/Hundehaftpflicht werden in einem Ordner im Büro der Kita dokumentiert und sind jederzeit einsehbar. ➢ Kurzprotokolle der Einsätze des Hundes werden ebenfalls in diesem Ordner dokumentiert, Beobachtungen und wichtige Informationen werden auf Karteikarten notiert und in die Stammgruppen gegeben.

18 Evangelische Kindertagesstätte l Emil-von-Behring-Str.55 l 35041 Marburg, 2023 ➢ Einverständniserklärungen aller Eltern über den Kontakt der Kinder mit dem Hund in verschiedenen Settings und Abfragen über evtl. vorliegende Allergien und Ängste liegen vor und werden in den Kinderakten verwahrt. ➢ Inhalte der Arbeit mit dem Hund werden durch Fotoaushänge dokumentiert ➢ Erlebnisse und Arbeitsergebnisse aus der „Floki-Zeit“ werden durch die Fachkräfte in Portfolios gemeinsam mit den Kindern dokumentiert. ➢ Gemeinsame Reflexion und Analysierung in Teamsitzungen werden regelmäßig durchgeführt.

19 Evangelische Kindertagesstätte l Emil-von-Behring-Str.55 l 35041 Marburg, 2023 5. Literaturnachweise/Quellen: Konzeption der Ev. Kita Emil-von-Behring-Str. 2016 Kita, Kindergarten, Krippe, Hort Marburg | Ev. Kindertagesstätten Marburg (kitas-marburg.de) International Association of Human-Animal Interaction Organizations, IAHAIO Weissbuch 2014 Beetz, A. (2019): Hunde im Schulalltag – Grundlagen und Praxis, 4. Aktualisierte Aufl., Ernst Reinhardt Verlag, München BEP, Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder von 0 – 10 Jahren, 2019, 9. Auflage 6. Anhänge Einverständniserklärungen Hygieneplan Dokumente für Präventivmaßnahmen Kurzprotokoll Steckbrief und Info-Flyer Hundeführerschein u. Urkunde Türschild Hosentaschenbüchlein

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